Fragen von einem Gulli Interview.
coalado, stell dich doch bitte mal unseren Lesern vor. (Alter, ungefährer Wohnort, Hobbys, Ausbildung, Job etc.)
Ich bin 26 Jahre alt, und komme aus dem schönen Frankenland. Ich studiere derzeit Mechatronik. Zu meinen Hobbys gehört auf jedenfall schonmal meine Leidenschaft zu Programmieren. Aber eigentlich will ich ja mehr über unser Projekt, und weniger über mich erzählen….
Wie seid ihr zum Thema Share-Hoster gekommen und wo seht ihr im Unterschied zu anderen Download-Optionen im Netz die Vor- bzw. Nachteile? (warum One-Klick Hoster und nicht Filesharing, anonyme Tauschbörsen, Usenet etc.)
Vor ca. zwei Jahren, kam “Astaldo” auf die Idee, einen Open-Source Downloadmanager in Java zu schreiben, und hat im Gulli-Forum nach Helfern gesucht. Er sollte eine plattformunabhängige Alternative zu den bekannten Downloadern (Cryptload, RSD, MSD, USD,…) werden. Bald darauf gab es die erste Pre-Alpha-Version des JDownloaders. One-Click-Hosting an sich ist in vielerlei Hinsicht sehr attraktiv. Es bietet dem Nutzer anonyme Downloads mit dauerhafter Verfügbarkeit, wobei er zwischen einem kostenfreien Downloadmodus und einem kostenpflichtigen Modus mit höherer Geschwindigkeit wählen kann. So erhalte ich als Nutzer große Dateien in kürzester Zeit, als Webmaster muss ich mir über Trafficprobleme keine Sorgen mehr machen. Dieser Service hat natürlich seinen Preis, doch auch der Gelegenheitsnutzer ist mit den üblichen Free-Modi gut bedient.
Hast du den jDownloader von Anfang an betreut oder bist du später dazu gestoßen? Was hat dich motiviert dieses Programm zu entwickeln? (hast du einen anderen Downloader benutzt und er hat dir nicht das geboten was du wolltest oder er war fehlerhaft?) Wie viele Personen sind an der Entwicklung beteiligt?
Astaldo hat das Team leider schon nach wenigen Monaten aus Zeitgründen verlassen müssen. Während er die erste einfache Benutzeroberfläche und die ersten Plugins schrieb, begann ich mich mit der “automatischen Zeichenerkennung” (OCR) zu beschäftigen. Weitere Helfer wie Dwd oder Botzi waren schnell gefunden. Wir sind mittlerweile zu einer großen Entwicklergemeinschaft gewachsen. Momentan engagieren sich neben zwei Hauptentwicklern eine Vielzahl von Freiwilligen sowohl vor als auch hinter den Kulissen - Sei es durch Usersupport oder durch die Beisteuerung von Bugfixes und Patches. Mich persönlich hat der Reiz etwas völlig Neues (Captchaerkennung) zu machen sehr motiviert. Für mich waren Captchas absolutes Neuland. Tools wie Cryptload, Flashget, Flashgot, RSD, MSD, USD, Getright und co. waren mir natürlich auch damals schon bekannt. Aber jedes lies irgendwelche Wünsche offen. JDownloader wurde anfangs, besonders von den “großen Brüdern”, gerne belächelt. Niemand glaubte daran, dass das hässliche Javaentlein eines Tages zu einer echten Konkurrenz werden könnte. Auch der Wunsch, alle vom Gegenteil zu überzeugen, motivierte das ganze Team.
Hat dir die Entwicklung dieses Tools bei deiner Arbeit im echten Leben helfen können? Sprich: Konntest du deine erworbenen Fähigkeiten als Programmierer auch für deinen Job gebrauchen?
Für mich ist die Arbeit an JDownloader ziemlich echt. Zur Betreuung eines solchen Projekts gehört ja schließlich nicht nur das Programmieren. Einiges überschneidet sich da natürlich auch mit meinem Studium.
Was unterscheidet euer Tool von anderen? Was kann der jDownloader, was andere Programme nicht leisten?
Das ist natürlich eine ziemlich umfassende Frage. Es gibt beispielsweise keinen uns bekannten Downloadmanager, welcher wie wir über 150 Hoster, 30 Premiumhoster und 180 Linkcrypter unterstützt und pflegt. Hinzu kommt die integrierte Captcha-Erkennung, das automatische Entpacken mit Passwortlisten, mehrere Chunks pro Datei, Routererkennung für passende Reconnectmethoden, die Steuerung per Webinterface, Addonschnittstelle, Router Recorder, uvm. Auf Grund unseres Updatesystems können wir innerhalb kürzester Zeit kaputte Plugins reparieren oder nötige Bugfixes einspielen. Natürlich darf man nicht vergessen dass JDownloader auf Linux, MAC und Windows läuft.
Warum habt ihr euch für Java als Grundlage entschieden?
Die Sprache Java bietet auf Grund ihrer Architektur eine solide Basis für größere Projekte wie den JDownloader. Sie ist strukturiert, objektorientiert, sicher und robust. So können wir plattformunabhängig und effizient entwickeln. Performancemäßig hält Java natürlich nicht mit maschinennahen Programmiersprachen wie beispielsweise C++ mit, da es sich beim JDownloader jedoch nicht um eine grafikintensive Anwendung handelt, ist dies jedoch durchaus zu verschmerzen.
Ihr wechselt für die Veröffentlichung eures Tools von der GNU zu einer anderen Lizenz. Wie kam es dazu und womit begründet ihr das?
JDownloader stand von Anfang an unter der GPL. Den Source kann man unter http://svn.jdownloader.org/projects/show/jd jederzeit einsehen. Es wurde des Öfteren diskutiert, ob DLC als Closed-Source-Plugin überhaupt zulässig sei. Natürlich werden wir dieser Frage nachgehen und sie klären. Allerdings hat dies keine Priorität. Meines Wissens nach finden sich selbst im Linux Kernel Closed-Source Komponenten. Spätestens DLC2 wird - unabhängig von der Lizenzfrage - komplett quelloffen sein.
Habt ihr je direkt mit dem Betreiber eines Share-Hosters zusammen gearbeitet oder von denen ein Feedback bekommen? (wie reagiert Rapidshare darauf, zumal die ja ihre eigenen Tools anbieten?)
Wir haben natürlich Kontakt zu vielen Betreibern. Meistens ist das Feedback sehr gut. Ausnahmen bestätigen aber auch hier die Regel. JDownloader wird von diesen natürlich mit gemischten Gefühlen betrachtet. Wir geben uns Mühe hier eine gute Balance zu finden. Wir sind der Meinung das ein “Miteinander” beide Seiten weiter bringt, auch wenn das nicht immer leicht ist. Es gab zwar schon hier und da kleine Kooperationen, von einer Zusammenarbeit kann man aber nicht sprechen. So wird einer unserer Updateserver von Bluehost.to gesponsored, während wir Bluehost als Mirror für unseren Installer verwenden.
Für wie sicher schätzt ihr den Up- bzw. Download von Share-Hostern in Deutschland ein? Zumindest die Uploader noch nicht veröffentlichter Musik (Metallica vor einigen Wochen) müssen ja seit ein paar Monaten mit einer Hausdurchsuchung o.ä. rechnen.
Auch Sharehoster unterliegen den rechtlichen Bestimmungen ihres Landes. Nach unseren Erfahrungen bemühen sich die meisten Sharehoster - inklusive RapidShare -, die Daten ihrer Kunden so weit es möglich ist zu schützen. Es bleibt jedoch abzuwarten, in wie weit sich die rechtliche Situation verändert.
Die Content-Industrie rechnet uns ja immer gerne vor, dass jedes illegal heruntergeladene Werk mit einem nicht verkauften Werk gleichzusetzen sei. Stimmt diese Rechnung? Andererseits ist vor allem die Musikindustrie seit Jahren in ziehmlichen Schwierigkeiten. Mitarbeiter wurden entlassen, man setzt vermehrt auf den Mainstream anstatt musikalische Experimente durchzuführen. Wo seht ihr die Ursachen für das Dilemma der Unterhaltungsindustrie und wo seht ihr Lösungen dafür?
Die Contentindustrie hat einen Trend verschlafen, nun versucht sie mit sehr zweifelhaften Methoden verlorenen Boden wieder gut zu machen. Um das Dilemma aber detailliert beurteilen zu können, oder gar auf die Suche nach Lösungen zu gehen, fehlt mir aber sicherlich viel Hintergrundwissen.
Den WebWarez-Betreibern wird der Einsatz eines solchen Tools nur recht sein, zumal es für die Anwender die Downloads vereinfacht. Sofern vorhanden: Wie reagieren denn die Mitglieder der Warez-Szene darauf? Die sind ja meist weniger an einer Verbreitung ihrer Inhalte interessiert.
Wir verfügen in diesem Bereich über keine gesonderten Erkenntnisse. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einen Downloadmanager zu schaffen, der das tägliche “Leben und Arbeiten” im Netz etwas leichter macht. Mit der kommenden Version des JDownloaders wird es eine Kooperation mit Flashgot geben. Damit kommen wir dem Ziel, ein vollwertiger Ersatz für die integrierten Downloadmanager bekannter Browser wie Firefox oder IE zu sein, wieder ein Stück näher. JDownloader kann nur laden, was auch der Browser laden könnte. Deshalb glaube ich nicht, dass JDownloader einen großen Einfluss auf die Popularität von Webwarezangeboten hat.
Was ist für die Zukunft eures Programms geplant?
Kurz gesagt: Eine Menge! Ganz aktuell darf man nochmals auf eine überarbeitete Oberfläche gespannt sein. Es soll nochmals hübscher, aufgeräumter, und vor allem schneller werden. In nächster Zukunft sollte unsere Nutzer dann vor allem ein überarbeitetes Downloadsystem erwarten, was u.a. eine dynamische Chunkanzahl (Anzahl an Teildownloads) erlaubt. Gleichzeitig soll der Ressourcenhunger deutlich gesenkt werden. Hinzu kommt ein neuer Eventmanager. Mit diesen Änderungen sollte dann der Grundstein für DLC2 gelegt sein, womit es dann vorrausichtlich auch weitergehen wird. DLC2 soll viele Kritikpunkte an der ersten Version beseitigen. Für die Neugierigen finden sich hier schon Details dazu.
Wie stellt ihr euch die Szene in fünf oder zehn Jahren vor? Organisationen wie die GEMA oder promedia gehen ja derzeit recht intensiv gegen die One-Click-Hoster vor. Wandern die Anbieter auf Dauer ins Ausland jenseits der Grenzen Europas ab, oder was glaubt ihr wird passieren?
Wir erwarten, dass sich das Konzept des One-Click-Hostings weiter durchsetzen wird, die Vorteile habe ich ja oben schon benannt. Eine Abwanderung von RapidShare halte ich für unwahrscheinlich, da die Voraussetzungen für derartige Datenströme aus dem EU-Ausland nicht erfüllt sind. Was nun genau passiert bleibt abzuwarten.